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5. Oktober 2023

Zentrale Berufsschulreform in Sachsen: Zwei Jahre später – Eine alarmierende Bilanz

In der Vergangenheit wurden Berufsschulen in Sachsen neu strukturiert, in der Hoffnung auf bessere Ergebnisse. Doch die Realität zwei Jahre nach der Reform sieht besorgniserregend aus.

Lange Anfahrtswege und Mangel an bezahlbaren Unterkünften

Die zentrale Neuausrichtung des Berufsschulsystems in Sachsen vor zwei Jahren führte dazu, dass der Unterricht in vielen Berufen an weit weniger Standorten im Bundesland stattfindet. Dieser Schritt sollte sicherstellen, dass es ausreichend Auszubildende in den Jahrgangsklassen gibt. Allerdings sind die Ergebnisse der Reform nun ernüchternd.

Über 50 Kilometer Anfahrtsweg keine Ausnahme

Die Zentralisierung hat dazu geführt, dass heute etwa jeder dritte Auszubildende mehr als 50 Kilometer bis zur Berufsschule zurücklegen muss – hin und zurück. Ein Drittel der Lehrlinge benötigt bereits für die einfache Fahrt mehr als anderthalb Stunden. Diese Daten stammen aus einer landesweiten Umfrage, an der 1169 Unternehmen teilnahmen und die von Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern durchgeführt wurde.

Abhängigkeit vom öffentlichen Verkehr

Die Umfrage zeigt, dass die meisten Jugendlichen auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, wobei 67 Prozent der Auszubildenden Busse oder Bahnen für ihren Schulweg nutzen. Eine effiziente Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist daher unverzichtbar, jedoch fehlt es besonders in ländlichen Gebieten oft daran.

Probleme mit der Verkehrsanbindung für Betriebe

Viele Auszubildende beginnen ihre Lehre im Alter von etwa 16 Jahren und besitzen keinen Führerschein, was die Abhängigkeit vom öffentlichen Verkehr verstärkt. Dies führt zu Problemen für einige Betriebe, insbesondere wenn die Berufsschule weit entfernt liegt. Ein Beispiel ist ein Betrieb in der Nähe von Chemnitz, dessen Schulzentrum in Annaberg-Buchholz/ Zschopau liegt, jedoch eine umständliche und fast unzumutbare Anbindung über Chemnitz erfordert. Die Fahrt nach Annaberg-Buchholz/ Zschopau dauert bereits etwa 150 Minuten, zusätzlich zur Anfahrt nach Chemnitz.

Mangel an erschwinglichen Unterkünften

Etwa ein Drittel der befragten Unternehmen gab an, dass ihre Auszubildenden am Standort der Berufsschule eine Unterkunft benötigen. Die meisten von ihnen leben in Wohnheimen oder Internaten, während der Rest in Pensionen, Hotels oder anderswo untergebracht ist. Für viele Lehrlinge ist dies jedoch keine realistische Option. Jeder fünfte Betrieb sah sich bereits mit dem Problem konfrontiert, dass aufgrund der Entfernung zur Berufsschule keine Ausbildungsverträge abgeschlossen werden konnten. In jedem elften Fall war dies auf fehlende Unterkünfte zurückzuführen und in jedem zehnten Fall haben Auszubildende aufgrund der langen Anfahrtswege ihren Beruf aufgegeben.

Mehrheit fordert Berufsschulstandorte in der Nähe

Die Mehrheit der Betriebe fordert daher eine Rückkehr zu Berufsschulen in der Nähe. Die Kammern betonen, dass die Organisation und Kosten für die Unterbringung nicht länger den Familien und Unternehmen auferlegt werden sollten. Der Erstattungssatz von 16 Euro pro Übernachtung sollte auf 25 Euro erhöht werden, möglicherweise sogar auf 30 Euro. Zudem sollten Auszubildende, die außerhalb untergebracht sind, sozialpädagogisch betreut werden.

Überprüfung der Reform erst für 2025 geplant

Die Reform des Berufsschulsystems in Sachsen wird erst 2025 auf ihren Erfolg hin überprüft werden. Die Kammern fordern jedoch eine schnellere Bestandsaufnahme und Verbesserungen, da andernfalls der Fachkräftemangel noch weiter zunehmen könnte.